Kunsthandwerker

Ein Glühweinstand reiht sich an den nächsten, die Massen schieben sich an wenig weihnachtlich dekorierten Buden mit Massenware vorbei, der Kommerz brummt: der Alsdorfer Weihnachtsmarkt ist anders. „Bei uns haben besonders die Kunsthandwerker einen hohen Stellenwert“, erklärt Toni Klein, der das phantastische Wintermärchen im Namen der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing Alsdorf organisiert.

Die Besucher dürfen sich auch in diesem Jahr wieder auf ein Stelldichein von Kunsthandwerk, Unikaten oder Kleinserien mit hohem handwerklichem Anspruch freuen. „Unsere Kunsthandwerker decken eine große Bandbreite ab und präsentieren teils ausgefallene Kreationen aus natürlichen Materialien“, so die Organisatoren. Klein und fein oder groß und klobig. Allen gemein ist die Originalität der vielen kunsthandwerklichen Produkte. Beim Alsdorfer Weihnachtsmarkt bieten die Künstler ihre Waren aber nicht nur an, viele lassen sich bei ihrer Arbeit während den Markttagen auch über die Schulter schauen, wie z. B. der Alsdorfer Metallbaumeister Jörg Bontenbroich, der nach einigen Jahren der Abstinenz diesmal wieder dabei ist und an Feuer und Amboss seine Fertigkeiten präsentiert.

Genauso wie Oliver Schulz, Dauerbrenner beim phantastischen Wintermärchen, der in diesem Jahr eine ganz besondere Aufgabe zu bewältigen hat. Denn es war schon eine traurige Nachricht für viele Alsdorfer, insbesondere für die Schaufenberger: Die alte Kastanie vor der Grundschule Schaufenberg fiel im März Sturmtief „Eberhard“ zum Opfer. Der Sturm fegte mit Windgeschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometer über die Stadt. Zu viel für die vermutlich älteste Rosskastanie in der StädteRegion Aachen. Der rund 200 Jahre alte Baum kam in eine gefährliche Schieflage und musste gefällt werden.

Viele Schaufenberger verbinden ganz persönliche Geschichten mit dem Baum, die jetzt allerdings um weitere Episoden erweitert werden können. Denn ein Großteil des Stammes findet einen zweiten Verwendungszweck, nämlich als Sitzbank, die auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt live vor Ort angefertigt wird. Der Kettensägekünstler steht vor einer Herausforderung: „Das ist schon eine Mammutaufgabe“, bekennt Schulz, der in diesem Jahr extra schon zwei Tage vor dem Markt aus Bad Sinzig an der Mosel anreisen wird. Fertigte der Künstler sonst während den Markttagen eher kleinere Kunstwerke, widmet er sich heuer ganz und gar der alten Kastanie.
Über zwei Tonnen wiegt der stolze Stamm, aus dem Schulz eine über zwei Meter breite Doppelbank fertigen wird. Die Bank wird mit verschiedenen Elementen verziert. Ob das „Schofeberjer Jüngsje“, das Stadtwappen oder ein Relief der Alsdorfer Burg: die Bank wird ein echter Hingucker werden. „Dank einiger Sponsoren können wir ein solches Projekt erst stemmen“, erklärt Toni Klein, der sich an dieser Stelle auch ganz herzlich bei Michael Bähringhausen bedankt, der die Idee für dieses Projekt hatte. Nach Vollendung wird die Bank dann aufgestellt – natürlich in Schaufenberg.

Braukunst

Eigentlich ist Frank Langguth Techniker von Beruf und Inhaber einer Firma für Automatisierungslösungen und Maschinenbau. Auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt präsentiert er allerdings seine handwerklichen Geschicke auf einem ganz anderen Gebiet, nämlich dem der Braukunst, ein traditionelles Handwerk, gut und gern rund 6000 Jahre alt.
Schon vor einiger Zeit ist in ihm der Wunsch gereift, einmal ein eigenes Bier zu brauen. Die Initialzündung folgte dann vor drei Jahren, als er von seinen Mitarbeitern einen Braukurs geschenkt bekam. Danach hat sich Frank Langguth noch intensiver mit der Materie beschäftigt und schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einer 50-Liter-Anlage fing alles an, mittlerweile können seine Maschinen bis zu zwei Hektoliter produzieren, Bier made in Alsdorf.

Bei seinem „Craft Bier“ handelt es sich um handwerklich gebrautes Bier, bei dem hochwertige und alternative Zutaten und daraus resultierende eher unkonventionelle Geschmacksrichtungen eine wichtige Rolle spielen. Citra Hopfen mit Limette- und Grapefruitgeschmack, Cascade Hopfen mit Grapefruit-, Zitrus- und schwarze Johannisbeernoten oder Bavaria Mandarina Hopfen mit seinem süßlichen und fruchtigen Aroma sind nur einige Zutaten, die Frank Langguth einsetzt.
Ein Altbier gibt es, ebenso wie ein Weizenbier mit banana flavour und Lemongeschmack. Das Sortiment seines „Fronkbiers“ besteht momentan aus vier Sorten. Extra für den Alsdorfer Weihnachtsmarkt wird zudem ein Pils produziert. Jedes Getränk wird aufwendig mit viel Liebe zum Detail hergestellt. Hier ein bisschen mehr Hopfen, da vielleicht die Gärungszeit ein wenig verkürzt oder die Kühltemperatur leicht erhöht: das hier hergestellte Bier hat nichts mit der konventionellen industriellen Produktion zu tun. „Eine kleine Veränderung der Rezeptur oder der Verfahrensweise hat unter Umständen große geschmackliche Auswirkungen“, so der Bierbrauer. Jede Produktionsserie schmeckt ein bisschen anders als vorherige Abfüllungen. „Das ist das spannende am Bierbrauen“, so Frank Langguth.

An den Wochenenden wird der 48-jährige seine Braukünste übrigens live vor Ort auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt präsentieren, auch wenn das Hergestellte nicht in den Verkauf gehen darf. Denn die Produktion erfolgt nur unter hohen Hygienevorschriften in seinem Betrieb.

Alpakas und Lamas

Ihre Weihnachtsmarkt-Premiere feiern in diesem Jahr Steffi und Thorsten von Vietinghoff. Am Sonntag, 1. Dezember, bietet das Ehepaar im Zelt 15 handgemachte Produkte rund um ihre Lamas und Alpakas an. Die knuffigen Vierbeiner haben es den beiden Alsdorfern nämlich so richtig angetan. Seit 2011 sind sie stolze Lama-Besitzer, 2017 kamen die Alpakas hinzu. Mittlerweile ist die Herde auf 14 Tiere (neun Alpakas und fünf Lamas) angewachsen. Die Pflege der Tiere nimmt demzufolge auch sehr viel Zeit in Anspruch. Knapp drei Stunden verbringt Steffi von Vietinghoff täglich mit der Hege der Herde auf der Weide. „Und dazu gehört auch die jährliche Schur, die eine zwingend notwendige Pflegemaßnahme ist“, erklärt Steffi von Vietinghoff. Aus den hochwertigsten Fasern lassen sich dann Garne herstellen, aus der nächsten Gruppe der Fasern hochwertige Bettwaren und aus den gröberen Fasern Alpakakeratinseife. Alle Seifen sind handgesiedet, frei von Konservierungs- und Zusatzstoffen sowie palmölfrei. Einige Seifen sind zudem auch noch frei von Farb- und Duftstoffen und somit bestens für sehr empfindliche Haut geeignet.

Ob handgewebte Sitzauflagen, Handstrickgarn, mit Wolle verzierte Windlichter oder Geschenkanhänger sowie mit Vlies gefüllte Kissen: Die Bandbreite der vorgestellten Produkte ist groß. Auch Stofftiere aus der Wolle der Alpakas oder verschiedene Holzarbeiten in Lama- oder Alpaka-Optik werden allen Besuchern am ersten Weihnachtsmarkt-Sonntag präsentiert. Die Tiere der Familie von Vietinghoff sind übrigens nicht nur hübsch anzusehen oder dienen als Faser-Lieferanten, sie erfüllen auch eine weitere wichtige Aufgabe. „Ich arbeite als Lehrerin an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie soziale und emotionale Entwicklung“, erklärt Steffi von Vietinghoff. Und seit Mai 2019 wird die Herde einmal in der Woche im Rahmen des intensivpädagogischen Konzepts der Schule von verschiedenen Klassen besucht. Der Einsatz der Tiere wird dabei auf den Förderbedarf sowie das Lern- und Leistungsvermögen der einzelnen Schüler und Schülerinnen ausgerichtet.
Krippenbau

Im Zelt 15 werden ebenfalls die Krippenfreunde Mariadorf am ersten Weihnachtsmarkt-Wochenende zu sehen sein. Festlich dekorierte Fenster, ein schöner Adventskranz und ein stolzer Tannenbaum: in der Vorweihnachtszeit werden die heimischen Räume besonders schön herausgeputzt. Nicht fehlen darf vielerorts auch eine Weihnachtskrippe. Ein Stall, Ochse und Esel, Hirten, Engel, Maria und Josef sowie an Heiligabend noch das Jesuskind dazu: Seit Jahrhunderten sieht die Krippenszene unterm Weihnachtsbaum gleich aus. Und doch auch irgendwie nicht. Denn jede Krippe ist ein Unikat, zumindest wenn sie handgemacht ist. Davon zu berichten weiß Karl-Heinz Dittmann.

„Jede Krippe hat ihren eigenen Charakter“ so Dittmann, Initiator der Krippenfreunde Mariadorf. Jeder Krippenbauer verwendet unterschiedliche Materialien und widmet sich unterschiedlichen Stilen. Meist verwendetes Material ist Holz. Felsen und Berge werden z. B. aus Styropor oder Hasengitter errichtet, die Krippe außerdem mit Zweigen und Moosarten verziert. „Beim Krippenbau wird viel geschnipselt, verputzt, geklebt und gemalt“, berichtet Dittmann, der auf dem Weihnachtsmarkt einige selbst gebaute Krippen präsentieren wird. Außerdem arbeitet der leidenschaftliche Krippenbauer an einem Arbeitsmodell, so dass die Besucher einen Einblick in den Aufbau einer Krippe gewinnen können.

Kunst und mehr

Mit dabei ist auch der „WABe e.V. – Diakonisches Netzwerk Aachen“. Der Verein bietet Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten eine Hilfestellung an. Im Rahmen der Kreativprojekte fertigen die Teilnehmer Geschenkartikel aus recycelten Materialien: „Upcycling“ nennt sich dies. Der Begriff setzt sich aus dem englischen „up“ für „nach oben“ und dem Wort „recycling“ für „Wiederverwendung“ zusammen. Beim Upcycling werden scheinbar unnütze Stoffe durch die Kreativität ihrer Designer zu einem neuen, wertvolleren Produkt umgewandelt. Nach dem Motto „Kunst und mehr“ präsentiert der Verein einige Werkstücke aus dem reichhaltigen Fundus. Ob Wanduhren aus Fahrradspeichen, Vintage-Spiegel, Bezüge, Textilien, Kerzenständer aus Zahnräder oder Kunstwerke, wie einen Förderturm aus Alt-Holz: die Teilnehmer schenken alten Gegenständen des täglichen Gebrauchs eine neue Verwendung. „Wir versuchen, die Potenziale unserer Mitarbeiter zu entdecken und bestmöglich zu fördern“, erklärt WABe-Geschäftsführer Alois Poquett das Konzept. „Unsere Künstler haben jederzeit die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen“. So werden z. B. Gürtel aus den Mänteln von Fahrradreifen oder Truhen mit einem Deckel aus Teilen von Frühstücksbrettern gefertigt. Das Rohmaterial kauft der gemeinnützige Verein nicht ein, sondern stammt aus Spenden und Haushaltsauflösungen.

Einen sozialen Aspekt verfolgt auch die Alsdorfer Produktionsschule vom Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung e.V. (VabW). Die Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren werkeln schon seit Wochen, um den Weihnachtsmarktbesuchern ein attraktives Angebot präsentieren zu können. Weihnachtsfloristik, Vogelhäuschen, Blumenkübel, Dekofiguren oder Teelichter: Das Team der Produktionsschule hat seiner Kreativität freien Lauf gelassen. In der Produktionsschule lernen die Teilnehmer oftmals die komplette Prozesskette eines Produkts kennen. Im vereinseigenen Nutz- und Ziergarten findet sich genügend Material, um daraus schöne Weihnachtsmarkt-Produkte in Handarbeit herzustellen. Auf diese Weise eignen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch neue Arbeits- und Fertigungsmethoden an. Und da sie auch für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt zuständig sind, erfahren die Teilnehmer eine direkte Reaktion seitens der Kunden auf die selbstproduzierten Werke. Der erwirtschaftete Erlös des gemeinnützigen Vereins fließt übrigens wieder in neue Projekte der Produktionsschule ein.

Airbrush-Arbeiten

Die Gruppe der Kunsthandwerker wird in diesem Jahr auch durch Andreas Krüchten verstärkt. Die Stammgäste des phantastischen Wintermärchens kennen den Künstler unter dem Namen „Ronin“. Zusammen mit seiner Partnerin Shanti präsentiert er auch in diesem Jahr wieder an zwei Terminen eine rasante Feuershow (siehe Programm). Doch diesmal ist Andreas Krüchten auch mit einem eigenen Stand auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Der 52-jährige Stolberger ist Airbrushdesigner und wird einige seiner Werke präsentieren. „Ich brushe eigentlich alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist“, bekennt der Künstler, der seit 2005 in allen Bereichen, die die Airbrushtechnik bietet, arbeitet. Ob Illustration, Portrait, Bodypainting oder Custom Painting: die Bandbreite seiner Werke ist vielfältig. Dazu kommen viele Auftragsarbeiten, die der Künstler in seinem Atelier erledigt.

Als leidenschaftlicher Biker liegt ihm aber besonders das Custom Painting, also das Besprühen von Motorrädern am Herzen. „Durch meinen Spaß am Bikerleben konnte ich auf verschiedenen Treffen die schön gestylten Maschinen bewundern. Das wollte ich auch können“, erklärt Andreas Krüchten, der nach seiner Ausbildung an der Ibkk in Bochum-Wattenscheid in einem entsprechenden Studiengang nun auch selbst als Dozent tätig ist und sein Wissen an Interessierte weitergibt. Am liebsten arbeitet der Stolberger Künstler frei Hand und lässt dabei seiner Inspiration freien Lauf. Gut und gern einen Monat kann es bei größeren Arbeiten dann dauern, bis das Werk vollendet ist. Auf dem Weihnachtsmarkt wird Andreas Krüchten einige kleinere Kunstwerke herstellen. Neben seinen Airbrush-Arbeiten bietet „Ronin“ außerdem handgemachte Pfeifen an.