Kunsthandwerker

Kunst statt Kommerz, Stil statt Kitsch – von einer Frittenbuden- und Glühweinstand-Ansammlung möchten sich die Macher des phantastischen Wintermärchens seit jeher abheben. Den Schwerpunkt auf das Besinnliche legen, ein riesiger Weihnachtsbaum und unzählige Lichter, die das stimmungsvolle Ambiente vor dem Hintergrund der historischen Wasserburg aufwerten: dies ist das Konzept des Marktes. Und natürlich die vielen hochwertigen Aussteller, bei denen besonders die Kunsthandwerker im Fokus der Markt-Organisatoren stehen.

Die Besucher dürfen sich auch in diesem Jahr wieder auf ein Stelldichein von Kunsthandwerk, Unikaten oder Kleinserien mit hohem handwerklichem Anspruch freuen. Mit viel Liebe zum Detail werden die teils ausgefallenen Kreationen in manchmal stundenlanger Arbeit gefertigt. Wie immer gibt es Bewährtes, Neues und Spannendes zu entdecken.

Klein und fein oder groß und robust. Allen gemein ist die Originalität der vielen kunsthandwerklichen Produkte. Beim Alsdorfer Weihnachtsmarkt bieten die Künstler ihre Waren aber nicht nur an, viele lassen sich bei ihrer Arbeit während den Markttagen auch über die Schulter schauen.

Der Kommerz ist Gerd Schirlo nicht wichtig. Drei oder vielleicht vier Krippen präsentiert der Aachener während den Weihnachtsmarkttagen. „Es wäre schön, wenn ich etwas verkaufen würde. Aber meine Käufer müssten damit leben, dass sie ihre Krippen erst am letzten Weihnachtsmarkttag mit nach Hause nehmen können“, so der Künstler. Denn viel mehr legt Schirlo Wert darauf, seine Kunst zu präsentieren und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen. Außerdem plant er, seine Fertigkeiten live vor Ort während der Markttage zu zeigen. „Krippenbau ist mein Hobby. Und Hobbys kosten meistens mehr Geld, als sie einbringen. Aber es macht mir unglaublich viel Freude“, so der naturverbundene Kunsthandwerker. Er schafft Naturkrippen, teils ausgefallene Designs, Kartoffelwagen oder kleine Öfen sind dabei, ebenso kleine Äxte, Heugabeln, Rechen, Harken, Unterstelle für Tiere oder sogar Toilettenhäuschen. Alles, was die Natur hergibt, wird von ihm verarbeitet. Oder halt alte oder verbrauchte Materialien. „Letztens musste ich ein Sägeblatt auswechseln“, erklärt der Krippenbauer. Anstatt das verbrauchte Blatt zu entsorgen, dient es nun als Werkstoff für weitere Projekte: „Das eignet sich doch prima zur Herstellung kleiner Werkzeuge für die Krippe“. Alte Obstkisten rettet er ebenso vor der Entsorgung wie Treibholz und schenkt ihnen in seinen Werken eine neue Verwendung. Im Baumarkt Holz zu kaufen, das kommt für ihn nicht in Frage.

Gerd Schirlo stellt vornehmlich Lehmkrippen her, inspiriert durch die Mittelalter-Zeit, mit einer Technik, die nur von wenigen in Deutschland beherrscht wird. Darum musste er einige Herstellungsverfahren selbst entwickeln. „Lehm und Holz vertragen sich eigentlich nicht“, verrät der Kunsthandwerker. Mit viel Liebe zum Detail fertigt er seine Werke. 6 bis 7 Wochen dauert inklusive Trocknungszeit die Herstellung einer Krippe, 5 bis 10 Krippen fertigt er im Jahr, je nach Lust und Laune.

„Früher gab es keine Türscharniere aus Eisen, die waren aus Leder“, erklärt der Fachmann. Natürlich werden seine Krippentüren auch aus diesem Naturprodukt gefertigt. Vor dem Bau einer neuen Krippe steht bei Gerd Schirlo zunächst Recherche-Arbeit an. Was gab es früher, was kann man verwirklichen?

Gerd Schirlo war bereits vor 30 Jahren Aussteller in Alsdorf. „Der Alsdorfer Weihnachtsmarkt, damals noch in der Innenstadt, war mein erster Markt“, erinnert sich Schirlo. Viele Ausstellungen folgten. Auch den Umzug in den Burgpark machte er mit, vor 10 Jahren war er das letzte Mal dabei. „Leider bin ich schwer krank und sehr wahrscheinlich wird der Alsdorfer Weihnachtsmarkt mein letzter Markt sein. Aber mir gefällt, dass dort, wo alles begann, es auch zu Ende gehen wird.“

Arbeit wird anerkannt

Kommerziell denkt ebenso wenig der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung e.V. (VabW), der in diesem Jahr wieder Weihnachtsdekorationen anbietet, die in liebevoller Arbeit gestaltet wurden. So werden verschiedenste selbstgefertigte Holzarbeiten sowie floristische Highlights präsentiert. In teils monatelanger Arbeit haben die Teilnehmer der Produktionsschule, die von Freiwilligen anderer Projekte sowie Mitarbeitern des VabW unterstützt werden, kräftig gewerkelt, um ihre Produkte einem breiten Publikum anbieten zu können. „Wir sind uns sicher, dass man bei uns das ein oder andere Geschenk finden kann, mit dem man seinen Liebsten zu Weihnachten eine große Freude machen kann“, sagt Simone Steudel, Gruppenleiterin im VabW. Aber der Verkauf steht gar nicht so im Vordergrund. „Wichtig ist uns, dass unsere Teilnehmer eine Bestätigung erhalten, dass ihre geleistete Arbeit anerkannt und geschätzt wird“, so Steudel weiter. Denn in den Beratungs- und Verkaufsgesprächen blühen die Produktionsschüler auf, sie tanken Selbstbewusstsein und erfahren die Sinnhaftigkeit der geleisteten Arbeit. Der erwirtschaftete Erlös des gemeinnützigen Vereins fließt übrigens wieder in neue Projekte der Produktionsschule ein.

Selbstgemachte Kerzen

Ihre Weihnachtsmarkt-Premiere feiert in diesem Jahr Sandra Benndorf, eigentlich sogar ihre Markt-Premiere überhaupt. Denn die 25-jährige Studentin ist erst seit Anfang des Jahres Kunsthandwerkerin. „Ich bin schon sehr gespannt darauf, zum ersten Mal meine eigenen Sachen zu verkaufen“, verrät die Alsdorferin. Ihre kreative Ader schlummerte schon seit einiger Zeit vor sich hin, in der Corona-Zeit entstand daraus der Wunsch, neben Studium und Nebenjob auch tätig zu werden. Auf dem phantastischen Wintermärchen präsentiert Sandra Benndorf selbstgemachte Kerzen und Makramee-Arbeiten. „Die Herstellung von Kerzen ist gar nicht so einfach, wie ich gedacht habe“, verrät die Studentin, die ihre Werke in den verschiedensten Formen, Größen und Farben und für jeden Geldbeutel anbietet. Zuerst werden dazu die Dochte vorbereitet und die Kerze in Form gegossen. Dabei benutzt die Alsdorferin ausschließlich veganes Wachs, z. B. Rapswachs. Danach kühlt das Produkt ca. 12 Stunden lang ab, bis schließlich wunderschöne Kreationen in Rosen-, Pyramiden- oder Kugelform entstanden sind. Besonders die Produktion ihrer Duftkerzen kostete viel Mühe. „Ich habe da wild herumexperimentiert, um die passenden Düfte zu finden“, verrät Benndorf. „Es macht mir aber unheimlich viel Spaß. Das ist mir die Mühe wert.“ Auch an den Farbkombinationen tüftelte sie einige Zeit herum, bis sie die passenden Arrangements gefunden hatte. Nun geht sie sehr routiniert ans Werk; knapp zwei bis zweieinhalb Stunden dauert dabei die Herstellung einer Kerze.

Seit einem halben Jahr stellt Benndorf außerdem Makramee-Arbeiten her, die momentan, besonders durch die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, voll im Trend liegen. Auf dem Weihnachtsmarkt präsentiert sie Baumschmuck, Schlüsselanhänger und Schnullerketten, die allesamt mit dieser besonderen Knüpftechnik, die ursprünglich aus dem Orient kommt, hergestellt werden. Neben ihren eigenen Werken betreut die junge Alsdorferin außerdem eine Bastelstation für Kinder und Erwachsene auf dem phantastischen Wintermärchen. Im Rahmen dieser Aktion können leere Gläser, die zum kleinen Preis vor Ort erworben werden können, oder aber auch Kerzen bemalt werden.

Holzarbeiten und mehr

Wer das Außergewöhnliche mag, wird die einzigartigen Kreationen von Nadine Zimmer und Sabrina Esser aus Düren lieben. Die beiden Künstlerinnen fertigen u. a. kreative Holzarbeiten zu den verschiedensten Anlässen an. Teelicht-Kreationen, Adventspyramiden und Tannenbäume zu Weihnachten, Hasen zu Ostern, Herzchen zu Muttertag, Hochzeitsstelen, Störche zur Feier einer Geburt oder den Kölner Dom für alle Karnevalsjecken: Für jeden Anlass bietet das Paar eine große Auswahl an individuellen und handgefertigten Geschenkideen. Apropos Kölner Dom: der Dom-Clown ist ein wahrer Verkaufshit und wurde schon in den verschiedensten Farbkombinationen und Formen hergestellt, ob als Aufsteller, Schlüsselanhänger, Stiftebox, Spardose oder Zettelbox. Der erste Dom-Clown wurde übrigens am 30.01.2020 gefertigt, ist 30 cm groß, 15 cm breit, 5 cm stark und begleitet die beiden Künstlerinnen als Glücksbringer auf ihren zahlreichen Touren; das alles lässt sich auch auf der Facebook-Seite des putzigen Geschöpfs nachlesen (Dom-Clown op Jöck). „Natürlich ist er unverkäuflich“, erklärt die 40-jährige Sabrina Esser. Und besonders geschützt: Denn die beiden Kunsthandwerker haben sich das Design in neun Mustern beim Marken- und Patentamt schützen lassen.

Bei ihren Werken kommen ausschließlich Hölzer von ortsansässigen Vertretern zum Einsatz, z. B. Fichte oder Douglasie. Die Naturprodukte werden dann teilweise geschliffen, geflammt, gesprayt, lackiert, graviert, lasiert … – auf jeden Fall mit viel Detailliebe weiter veredelt. „Unsere Farben sind alle speichel- und schweißecht, also auch für Kinderspielzeug geeignet. Das ist uns sehr wichtig“, erklärt Sabrina Esser, aus der es nur so heraussprudelt, wenn sie mit leuchtenden Augen von ihrer Leidenschaft erzählt. Sie übernimmt in dem Duo den Part des kreativen Kopfes, während Nadine Zimmer, die Chefin an der Säge, für die staubigen Arbeiten zuständig ist. Hier beweist die 32-Jährige ihr ganzes handwerkliches Können, ob mit der Stich- oder Bandsäge oder mit der Schleifmaschine.

Seit dem 1.1.2021 firmieren beide unter dem Namen CreATeT HolzdesigNadine, ein Wortspiel aus Spitz- bzw. Vornamen der jungen Gründerinnen. Dass es dazu kam, hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Beide waren vor ihrer Selbstständigkeit in der Gastronomie tätig. Mit dem Lockdown waren sie ohne Beschäftigung und machten aus ihrer Not eine Tugend. „Wir beide waren immer schon sehr kreativ. In der Zeit des Lockdowns haben wir zunächst aus Lust an der Freude erste Werke gefertigt und diese dann in den sozialen Medien präsentiert“, erklärt Sabrina Esser. Daraus entwickelten sich immer weitere Kundenanfragen. Der Erfolg war da, sodass aus den Individualaufträgen schließlich die Gründung der eigenen Firma resultierte. Seitdem wird kräftig produziert. Von Montag bis Freitag arbeiten beide in ihrer Werkstatt, am Wochenende werden dann die verschiedensten Märkte, vornehmlich im Kölner und Bonner Raum besucht, um ihre Produkte anzubieten. In Alsdorf werden die beiden Künstlerinnen zum ersten Mal auf einem Weihnachtsmarkt ausstellen. Neben ihren Holzarbeiten präsentieren sie außerdem extravagante Upcyclings aus Glas, veredelt mit individuellen Foliendesigns. Diese Dekorationsflaschen werden mit LED-Beleuchtung angeboten.